Radentscheid in Kaarst

Als ich die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2020 für Kaarst gelesen hatte, konnte ich die Welt nicht mehr verstehen. Gerade in Kaarst war die Note so dermaßen hochgeschossen, dass man meinen konnte, Kaarst wäre zu einem Fahrradparadies aufgestiegen. Und dabei hat sich nichts Wesentliches getan. Die Radwege sind in einem erbärmlichen baulichen Zustand, sofern überhaupt vorhanden, und teils fehlen an gefährlichen und wichtigen Stellen Schutzstreifen oder die Trennung von MIV, Radverkehr und Fußgängerverkehr.

Nun konnte ich in der Ausgabe 2021/1 Rad am Niederrhein (Herausgeber sind verschiedene ADFC-Kreisverbände) lesen, dass ein Radentscheid in Kaarst ab dem 01.07.2021 geplant ist. Absolut klasse!

Und das Rätsel um die gute Benotung ist auch gelöst. Das scheint eine weitere Variante des Generationenkonflikts zu sein. Bei der Befragung wurden wesentlich mehr jüngere Menschen angesprochen und deren Bewertung der Radsituation in Kaarst ist nicht so streng wie die von älteren Menschen, die mit dem Rad fahren wollen oder müssen. Somit ist eben eine wesentlich bessere Benotung der schlechten, wenn nicht gar miserablen Situation für Radfahrer in Kaarst (das Kreisgebiet hat den gleichen miesen Level) entstanden. Umso mehr freut es mich, dass der Radentscheid aufgebaut und durchgezogen wird. Ob es dazu kommt, dass die Stadt Kaarst verpflichtet wird, dieses Volksbegehren umzusetzen, liegt nun an den Kaarster Bürgern. Es sind dem Artikel zu Folge ca. 2.500 Unterschriften notwendig. Ich bin gespannt und auf jeden Fall dabei.

Mit den Maßnahmen, die vielleicht umgesetzt werden, ist es aber nicht getan. Sicherheit im Straßenverkehr fängt im Kopf jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers statt. Dabei spielt die Art der Fortbewegung keine Rolle. Geisterradler, die entgegen der Fahrtrichtung unterwegs sind, sind genauso gefährlich wie Autofahrer, die zu nah überholen, Stoppschilder nicht beachten oder mal ebkes Brötchen beim Bäcker oder im Kiosk holen und das Fahrzeug auf dem Rad-/Gehweg parken. Auch Fußgänger sind mit ihren Verhaltensweisen, die meist nicht nach links und rechts schauen, bevor sie ihre Laufrichtung ändern, für gefährliche Situationen verantwortlich, die dann zu Unfällen führen können und auch führen. Nicht erzogene Hunde oder überforderte Hundebesitzer, die ihre Fiffies an 10 bis 15 m langen Leinen kreuz und quer über die Wege laufen lassen, gibt es leider mittlerweile mehr als genug. Nicht angeleinte ungehorsame Hunde sind immer mehr zu sehen und zu erleben. Jede Verkehrsdisziplin hat, wie in der FAQ zum Radentscheid zu lesen ist, ihre Trottel. Es gibt viele trottelige und verantwortungslose Radfahrer.

Nur die Infrastruktur verbessern reicht m. E. nicht aus. Es muss seitens der Ordnungsbehörden wesentlich mehr darauf geachtet werden, dass Verkehrsregeln eingehalten werden. Hier muss Vorbildfunktion im Vordergrund stehen. Ein auf dem Radweg stehender Streifenwagen der Polizei vor einer Bäckerei erzeugt keine Vorbildfunktion, währenddessen die Streifenbesatzung genüsslich Kaffee schlürft und beherzt ins Brötchen beißt. Einsatzfahrzeuge mit der Aufschrift “Ordnungsamt” sollten auch an Stoppschildern gestoppt werden, um den querenden Verkehr, also auch Fußgänger und Radfahrer, die Vorfahrt zu geben.

Die Verkehrswende findet zu einem erheblich großen Anteil im Kopf statt. Leider!


Wer sich für den Radentscheid in Kaarst interessiert, und mitmachen will, der sollte dem nachfolgenden Link folgen und sich informieren:

Radentscheid in Kaarst ab dem 01.07.2021

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen